„Wir sind Welterbe!“

Im Gespräch mit Projektmanagerin Astrid Eggert

Um das Jahr 1170 ließ der dänische König Waldemar die Waldemarsmauer errichten. Sie war seinerzeit vier Kilometer lang und fünf bis sieben Meter hoch. Foto: ALSH

Als Projektmanagerin für das Weltwerbe Haithabu und Danewerk ist Astrid Eggert Schnittstelle für alle Beteiligten. Foto: Kleimann-Balke

Haithabu/Danewerk (ckb) – Vor ziemlich exakt einem Jahr hat der Internationale Rat (ICOMOS) den Archäologischen Grenzkomplex Haithabu und Danewerk in die Liste des UNESCO Welterbes aufgenommen. Das ist zum einen der Lohn für die langjährige, engagierte Arbeit der Akteure. Zum anderen verbrieft dieser Titel aber auch die große Bedeutung dieser Stätten im historischen Kontext und stellt sie auf eine Stufe mit weltbekannten Orten, wie zum Beispiel dem Kölner Dom, der Zeche Zollverein oder den Pyramiden von Gizeh. Im Verlauf des Sommers möchten wir den Blick immer wieder auf „unser“ Welterbe richten. Wir möchten es genauer vorstellen und ein Verständnis dafür schaffen, wie wertvoll dieser Schatz tatsächlich ist, wie groß aber auch die Verantwortung ist, die so ein Erbe mit sich bringt. Im vierten Teil geht es nun um das Thema Tourismus und Welterbe.
„Als Geografin habe ich mit unterschiedlichen Perspektiven zu tun“, erklärt Astrid Eggert, „und es ist meine Leidenschaft diese verschiedenen Dinge zusammenzubringen.“ Mit dieser Leidenschaft und Sachverstand im Gepäck ist sie an die Schlei gekommen. Hier möchte sie die Vertreter der Interessensgemeinschaften rund um das Thema Haithabu und Danewerk an einen Tisch bringen. Das Ziel: Eine gemeinsam abgestimmte Vision und die Entwicklung erster Maßnahmen zur Inwertsetzung des Welterbes und der Region. „Es gilt Ideen, Sorgen, Interessen und natürlich die juristischen Vorgaben in Planungen und Überlegungen einzubeziehen“, ergänzt sie. Das Zusammenwirken von Bevölkerung, Klima, Naturschutz, Wirtschaft, Denkmalschutz, Landschaft hat sie dabei stets im Hintergrund – das alles ist miteinander verbunden. Als neue Projektmanagerin für das Weltwerbe Haithabu und Danewerk hat Astrid Eggert im Sommer diese Mammutaufgabe übernommen.
Ein neues Gesicht für das Danewerk
Als Astrid Eggert das erste Mal ganz bewusst am Danewerk entlangspazierte, wurde ihr die Bedeutung ihrer Aufgabe deutlich. „In den kommenden Jahren möchten wir dem Danewerk ein Gesicht geben“, fasst sie zusammen. Besonders der westliche Teil des Walls ist für den Laien kaum erkennbar. Er ist zum Teil unter Acker begraben, geschickt in ehemaligen Gewässerniederungen eingegliedert oder liegt, im Fall des Sperrwerks, auf dem Grund der Schlei. Das Danewerk als großes Ganzes darstellen zu können und damit auch seine kulturhistorische Wirkung und landschaftsbildende Bedeutung nachvollziehbar zu vermitteln, wird nicht einfach sein. Was nicht mehr zu sehen ist, weil es im Laufe der vielen Jahrhundert verwittert, abgetragen oder im Boden verschwunden ist, kann man aber visualisieren. „Modere digitale Medien könnten das Flächendenkmal wieder auferstehen lassen. Daran arbeiten wir gerade und überlegen gemeinsam, wie wir das realisieren können“, erklärt sie. Aber das Danewerk soll nicht nur in virtuellen Welten neu entstehen. Auch am Wall selbst soll einiges passieren, zum Beispiel ist der Ausbau der Wanderwege geplant. Neue Radrouten, Aussichts- und Erholungspunkte sollen entstehen. „Sie müssten mit Erklärungen und Informationen ausgestattet die lange und bedeutende Geschichte des Danewerks vermitteln: Über die Meisterleistung der Grenzziehung, die Bedeutung für die Gründung Dänemarks und die Rolle als Grenze, die nicht nur abgrenzt, sondern auch verbindet. Es gibt so viel zu erzählen“, schwärmt sie.
Das Ziel aller Überlegungen ist es das Interesse am Welterbe zu wecken. Während sich das Wikinger Museum Haithabu mit seinen Wikingerhäusern keine Sorgen über Bekanntheitsgrad und Besucher machen muss, ist rund um das Danewerk noch Luft nach oben. Es fehlt an Parkmöglichkeiten und Infrastruktur. Auch an dieser Stelle ist die Arbeit der Projektmanagerin gefragt. „Wir möchten das alles vorantreiben – mit Feingefühl, Nachhaltigkeit und Beteiligung der betreffenden Parteien“, betont sie. Um das Gelände entlang des Walls im Archäologischen Park in Dannewerk wieder aufzuwerten soll ein Freiraumkonzept entwickelt werden. Astrid Eggert versteht sich als Schnittstelle der Beteiligten und wird die Interessen im Verein Danewerk/Haithabu e.V. bündeln. „Ich erwarte durchaus auch Konflikte. Alles andere wäre bei so vielen unterschiedlichen Interessen ungewöhnlich“, weiß sie, „an dieser Stelle wird es meine Aufgabe sein, die Fähigkeiten und Bedürfnisse von einzelnen Menschen mit einer gemeinsamen Vision, zentralen Zielen, und den Potentialen der Welterberegion zu verbinden.“
Sozusagen nebenbei hat sie sich ein weiteres Ziel gesetzt: Sie möchte die vergangenen 15 Jahre nacharbeiten: „Ich möchte mir eine große Portion Know-how über Haithabu und das Danewerk aneignen“, erzählt sie. „Ich bin von der Leistung der Archäologen tief beeindruckt. Sie haben in den vergangenen Jahren nicht nur archäologisch gearbeitet, sondern sich on top um die Bewerbung bei ICOMOS gekümmert haben. Nicht zu vergessen ist auch Engagement aus der Region bei der UNESCO-Antragstellung. Ohne all das wären wir heute kein Welterbe. Das sollte man nicht vergessen. Davor ziehe ich meinen Hut!“

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