Innenstadt-Kaufleute fühlen sich ausgebremst

Parkgebühren ein Grund für sinkende Kundenfrequenz?

Wie kann ie Innenstadt am Leben erhalten werden? Fotos: Philippsen

Bei Karstadt hat der Ausverkauf begonnen.

Flensburg (mm) - Nach der IG Norderstraße haben sich auch die anderen IG's Flensburger Gilde, Flensgefühl, die Rote Straße und City Flensburg an die Öffentlichkei gewandt, um auf die schwierige Situation der Einzelhändler in der Innenstadt nach dem Corona-Lockdown aufmerksam zu machen. In einem Workshop wurden Gründe für die sinkende Kundenfrequenz gesucht und gefunden: Nach Meinung der IG's sind unter anderem die Erhöhung der Parkgebühren ein Grund für die abgewanderte Kundschaft. Hier die Pressemitteilung im Wortlaut:

"Handel ist Wandel, nie war dieser Satz aktueller als jetzt. Corona machte den Online-Handel auch dort populär, wo vorher Skepsis herrschte.  Outletcenter winken mit den vermeintlich günstigsten Angeboten; die  kostenlose Parkplätze der Einkaufscenter vor den Toren der Stadt bieten dem umworbenen Kunden Bequemlichkeit und die Innenstädte versprechen die größte Auswahl und ein atmosphärisch dichtes Einkaufserlebnis.

Die Kundenfrequenzen der Innenstädte nehmen bundes- ja sogar europaweit ab. Der kunterbunte Wettbewerb im Netz und auf der grünen Wiese nimmt stetig zu.   Von Mailand bis Madrid und Florenz bis Flensburg, egal wohin man schaut,die Entwicklung ist die gleiche. Die ersten deutschen Städte erhalten schon Fördermittel zur Revitalisierung der Innenstadt, bis zu welchem Zeitpunkt diese Maßnahmen noch greifen, wird uns die Zukunft lehren, aber „Handel ist eben Wandel“.

Das qualifizierte Topmanagement auf den Sofas der Republik weiß natürlich was zu tun ist, man müsste nur mehr Individualität, weniger Filiallisten, bessere Sortimente oder ähnlich einfache Dinge einleiten dann wäre alles wieder gut. Warum und weshalb diese einfachen Lösungen europaweit nicht angewandt werden mag vor allem daran liegen, dass kurze und einfache Antworten populistisch greifbar aber in der komplexen Praxis wenig anwendbar sind.

Um komplexen Entwicklung und den vielfältigen und steigenden Bedürfnissen der Kunden gerecht zu werden, vermag es vermutlich mehr als ein kurzes Statement.  Mitten in diese Gemengelage platzt nun auch noch die Nachricht, Karstadt, eine feste Größe in der Flensburger Fußgängerzone schließt seine Tore.

Angesichts dieser Herausforderungen hat sich die Flensburg Kaufmannschaft und Gastronomie zusammengefunden, um in Begleitung und Mitwirkung der IHK, Dr. Jerome Stuck, ein abgestimmtes und engagiertes Handeln zu besprechen.  Die IG rote Straße, die Flensburger Gilde, Flensgefühl und die IG City Flensburg haben bis in die Nacht getagt. Die gute Nachricht vorweg, es gibt viele und charmante Zeichen dafür, dass Flensburg mit Wandel umgehen kann. Die Kaufmannschafft erwähnt das konstruktive Genehmigungsverfahren der Stadt zu verkaufsoffenen Sonntagen, die dynamische Begleitung städtischer und IHK Akteure von Pact-Projekten und das unverzügliches Arrangement zur Rettung von Karstadt der Verwaltungsspitze.

Offenkundig ist auch, dass perfekt umgesetzte, extrem kundenorientierte Konzepte und Systeme die nicht zu stark von einer hohen Frequenz abhängig sind, auch nach Corona noch gut funktionieren.
Eine individuelle Szene in der Norderstr., oder rührige große Straße, eine von lokaler Händlerschafft geprägte perfekt gepflegte und vermarktete rote Straße und ein Holm der den Zeitgeist geprägten Konsum bedient, sind nur einige Beispiele die den Facettenreichtum der Stadt spiegeln.

Trotzdem, auch in Flensburg gibt es Frequenzverluste und es gab es Aktivitäten die diese rückläufigen Frequenzen begünstigten. Wer früher vor oder zum Feierabend kurz stoppte, um einen schnellen Einkauf zu tätigen, konnte dies früher meist tun, ohne Parkgebühren entrichten zu müssen. Jetzt werden Kunden mit ausgedehnten Parkgebühren von 8-20.00 Uhr konfrontiert und die „Brötchentaste“, die 15 Park-Freiminuten ermöglichte, wurde erst begeistert eingeführt und dann deutlich weniger öffentlichkeitswirksam abgeschafft.  Während sich Kundenfrequenzen in Richtung Center und online verschoben, wurden in Flensburg Parkgebühren erhöht.  Man mag entgegnen, dass im Outlet Neumünster Parkgebühren eingeführt wurden allerdings erst nach 90 Freiminuten und im Anschluss fällt der eher symbolische Betrag von 3€ an. Die direkte Konkurrenz der Innenstadt hat keine Parkgebühren und generell weniger mit Erreichbarkeitsproblemen zu kämpfen.
Dem Kunden, der es heutzutage gern bequem und schnell mag, wurde die Wahl seiner Einkaufsstätten leicht gemacht- leider zu Ungunsten der Innenstadt.

Auch wird das Engagement der Kaufleute an mancher Stelle ausgebremst, Aktivitäten wie Kinderschminken, Musikbands und Clowns wurden mit Sondernutzungsgebühren belegt und deuten auf wenig Gespür der Verwaltung für die Herausforderungen der Innenstadt hin.

Ein weiterer Aspekt ist unser Tor zur Innenstadt, der Südermarkt. Er wird seit 20 Jahren, leider nur in der Theorie, modernisiert und wird an der ein oder anderen Stelle von einer Szene dominiert, die ein erhebendes Einkaufsgefühl nicht aufkommen lässt.

Es gibt mit der grünen Wiese eine Innenstadt vor der Innenstadt und die Verbannung des Individualverkehrs, motorisiert und nicht motorisiert, so wie die Vernachlässigung des Stadt- Umland Beziehung begünstigen die Anfahrt zu außenliegenden Einkaufsstätten.

Schlussendlich, noch ist es vermutlich nicht zu spät, ein deutliches beherzteres und strukturiertes Miteinander, mit einem ehrgeizigen Plan zur Zielerreichung würde helfen dieser Zeit der schnellen Veränderungen nicht nur zu folgen sondern sie zu gestalten.

Open minded, gespannt einander zuhörend und tatkräftig anpackend. Zumindest wird die Kaufmannschaft auf Verwaltung und Fraktionen zugehen um einige Handlungsansätze im Bereich Marketing, Citymanagement, Verkehrsoptimierung und Kundschaftsorientierung zu diskutieren oder vertiefend zu besprechen, denn in einem sind alle geeint"

„Wir lieben Flensburg“   

Ulf von Finthel für die Gilde, Flensgefühl, die rote Straße und City Flensburg

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