Geheimnisse gelüftet

Grabkammern in Schleswig erforscht und konserviert

Tereza Stolcova (Archäologisches Institut an der Akademie der Wissenschaft, Nitra), Janosch Willers und Dr. Nina Lau (v.l.) dokumentieren den letzten Holzbalken, bevor er für die Reise in die Slowakei verpackt wird. Foto: Kleimann-Balke

Die Grabkammer im inneren Totenhaus während der Ausgrabung 2006 ©Landesmuseen SH

Schleswig (ckb) – „An dieser Stelle sieht man, dass Museum mehr ist, als Ausstellung“, betont Prof. Claus von Carnap-Bornheim. „Museum ist auch Konservierung, Restaurierung und Forschung. Archäologen arbeiten tagtäglich an der Erhaltung unseres kulturellen Erbes. Das wird nur selten wahrgenommen.“
Der Leitende Direktor und Wissenschaftlicher Vorstand der Stiftung Schleswig-Holsteinische Landesmuseen steht in der Außenstelle der Restaurierungswerkstatt und beobachtet, wie der letzte Holzbalken aus seinem Sandbett gehoben, gesäubert, dokumentiert und schließlich sorgfältig für seine Reise vorbereitet wird. Mit dem Rücktransport der rund 60 Holzbalken ist ein langjähriges Projekt zu ende gegangen – die Konservierung des Kammergrabes von Poprad-Matejovce. „Das ist ein Schlüsselfund für die Forschung“, betont Dr. Nina Lau. „Und es freut uns sehr an diesem außergewöhnlichen Fund beteiligt zu sein.“ Die Wissenschaftlerin für Frühgeschichte am Zentrum für Baltische und Skandinavische Archäologie (ZBSA) ist Teil eines 20-köpfigen Expertenteams, das sich im Rahmen eines internationalen und interdisziplinären Forschungsprojektes mit dem Archäologischen Institut Slowakischen Akademie der Wissenschaft in Nitra seit vielen Jahren mit der Konservierung, Restaurierung und Erforschung dieses einzigartigen Fundes befasst.

Zufälliger Fund
2005 wurde es beim Bau einer Fabrik in der Region Zips unterhalb der Hohen Tatra im Nordosten der Slowakei durch einen glücklichen Zufall entdeckt. Neben einem hölzernen Totenhaus und einer umgebenden äußeren Grabkammer aus einer Blockbaukonstruktion, hatten sich auch weitere organische Funde, darunter ein Totenbett, ein aufwendig gedrechselter Tisch, eine Prozessionsbahre, zahlreiche Textilien und Leder erhalten – in bemerkenswert gutem Zustand. Mit Hilfe der C14 Methode konnte das Grab auf das 4. Jahrhundert n. Chr. datiert werden, die Übergangszeit von römischer Kaiserzeit zur frühen Völkerwanderungszeit. Die Ausstattung des Grabes, die Grabbeigabe, Schmuck und die kostbaren bortenbesetzten Textilien, die der Tote auf seiner letzten Reise mit sich führte, lassen darauf schließen, dass er zur germanischen Elite gehörte und Kontakte zum römischen Kulturkreis pflegte. Er war etwa 20 Jahre alt und 177 cm groß und in einem guten Ernährungszustand. Seine Todesursache ist unbekannt. Sie könnte aber in Zusammenhang mit einer Leberinfektion durch ein genetisch nachgewiesenes Hepatitis-B-Virus zusammenhängen. Darauf geben anthropologische Analysen von Knochenläsionen Hinweise.   

Tonnenweise Material
2006 sind insgesamt 10 Tonnen organisches Material nach Schleswig transportiert worden, um in der  Restaurierungswerkstatt des Museums für Archäologie, Stiftung Schleswig-Holsteinische Landesmuseen Schloss Gottorf, fachgerecht konserviert zu werden. Möbel und Totenhaus wurden mittels Polyethylenglykol-Tränkung und anschließender Gefriertrocknung konserviert. Sie sind bereits in der Slowakei zurückgekehrt.
Für die Konservierung der bis zu vier Meter langen Hölzer der Grabkammer ist eine etwas experimentelle Methode entwickelt worden: Die Balken wurden nach mehrjähriger Tränkzeit im Wasser zum Trocknen in ein Sandbett gelegt. „Der grobe Sand ermöglicht eine langsame und dadurch schonende Trocknung“, erklärt Janosch Willers, der im Museum für Archäologie den Bereich für die Konservierung von Nassholz leitet. „Er verhindert das zu schnelle abdampfen des Wassers.“ Durch Messfühler im Kern der Balken konnte er den Trocknungsprozesses genau beobachten. „Wir wussten nicht, wie lange der Prozess wirklich dauern würde. Am Ende sind es nun zwölf Jahre geworden und selbst jetzt sind die Balken nicht komplett trocken. Sie werden vor Ort in klimatisierten Räumen weiter getrocknet.“
Ein großer Teil der Originalfunde, Möbel und Rekonstruktionen aus dem Grab werden in der Dauerausstellung „Der Fürst aus Poprad und sein Grab“ demnächst im Podtatranké Museum in Poprad zu sehen sein.

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