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Verbandsvorsitzender Klaus-Dieter Ahnsel zeigt die Kontoauszüge mit den falschen Lastschriften. Foto/Montage:  Philippsen

Verbandsvorsitzender Klaus-Dieter Ahnsel zeigt die Kontoauszüge mit den falschen Lastschriften. Foto/Montage: Philippsen

Datenklau beim Schwimmverband!

Mobilfunkanbieter nimmt unberechtigte Konto-Abbuchungen vor

Flensburg (lip) – Die Datendiebe werden immer dreister: Vom Konto des Kreisschwimmverbandes Flensburg/Schleswig-Flensburg hat ein Mobilfunkanbieter insgesamt 400 Euro für Prepaid-Karten abgebucht, die der Verband selber nie gekauft hat. Nur per Zufall hatten Kassenwartin Monika Michelis und Verbandsvorsitzender Klaus-Dieter Ahnsel beim Kontrollieren der Kontoauszüge den Betrug bemerkt. Zwischen dem 19.06. und 29.06. waren dort von der »Fonic GmbH« insgesamt zehnmal 40 Euro im Lastschriftverfahren abgebucht worden – jeweils für eine andere Mobilfunknummer. »Dabei hat der Verband überhaupt keine Handyverträge abgeschlossen, wozu auch?«, berichtet Klaus-Dieter Ahnsel. Er machte das einzig Richtige und ließ die unberechtigten Abbuchungen sofort bei der Bank stornieren. »Nicht auszudenken, wenn wir es nicht innerhalb der Sechs-Wochen-Frist bemerkt hätten«, sagt Ahnsel. Schließlich ist 400 Euro eine Menge Geld. Zum Glück zeigte sich auch »Fonic« nach einem Anruf einsichtig und erkannte den Missbrauch der Daten an. »Offenbar wurden beim Abschluss eines Mobilfunkvertrages Ihre Daten ohne Ihr Einverständnis genutzt, wodurch sowohl Sie als auch Fonic Opfer von Datenmissbrauch wurden«, heißt es in einem Schreiben des Mobilfunkanbieters mit Sitz in München.

Offenbar weitere Vereine betroffen

Offenbar kein Einzelfall. Nach MoinMoin-Recherechen sollen noch weitere Vereine in Flensburg und Schleswig betroffen sein. Und in der Vergangenheit soll »Fonic« bei ähnlichen Fällen in Thüringen nach einem Bericht des MDR auch schon mal Mahnungen verschickt und Inkassounternehmen beauftragt haben.

Betrüger nutzen Sicherheitslücke

Dabei haben es Betrüger (viel zu) einfach: Jeder, der – auf welchem Weg auch immer – in den Besitz von Adressen und Bankverbindungen fremder Menschen gelangt ist, kann die Prepaid-Karten zum Beispiel im Supermarkt kaufen und online aufladen. Persönliche Daten werden nicht, wie bei Handyverträgen üblich, durch Vorlage des Personalausweises überprüft. Betrüger können so unerkannt zu Lasten des fremden Kontos telefonieren. Diese »Sicherheitslücke« nimmt »Fonic« offenbar aus wirtschaftlichen Interessen in Kauf. Das Problem sei bekannt, erklärte Karin Lüttmerding, Leiterin Service bei »Fonic«, und man sei dabei »entsprechende Maßnahmen« zu ergreifen. »Eine Identitätsprüfung ist aber gesetzlich nicht vorgeschrieben und wird vom Handel auch nicht gewünscht. Wenn wir von unseren Handelspartnern einseitig eine Personalausweiskontrolle fordern, würden wir vermutlich aus dem Sortiment genommen«, so Lüttmerding. Zur Höhe des entstandenen Schadens wollte sie sich nicht äußern. Geschädigte Personen oder Vereine sollten in jedem Fall Anzeige erstatten, riet sie.  Andere Prepaidanbieter gehen auf Nummer sicher. »Wir verlangen schon aus Gründen des Jugendschutzes immer einen Personalausweis«, erklärte Dirk Wende, Pressesprecher der Deutschen Telekom (»T-Mobile«) auf MoinMoin-Nachfrage. Bei »02« erfolgt ein Adresscheck, bevor die Karte aufgeladen werden kann, wie Pressesprecherin Carolin Eckert erläuterte. Immerhin kann Datenmissbrauch mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren und Geldstrafe geahndet werden. Doch häufig steht die Polizei dieser Form der Cyberkriminalität eher machtlos gegenüber. »Grundsätzlich handelt es sich um ein übliches Vorgehen: Veröffentlichte Bankdaten, zum Beispiel die im Internet veröffentlichten Bankverbindungen von Vereinen, werden genutzt, um entsprechende Verträge zu fingieren«, berichtet Matthias Glamann, Pressesprecher der Polizeidirektion Flensburg. Bisher liege lediglich eine Anzeige aus Schleswig vor. Auch das Landeskriminalamt (LKA) ist bislang in der Sache nicht tätig geworden. »Solange es keine gesetzlichen Regelungen gibt, finden Betrüger immer wieder neue Methoden«, sagt LKA-Sprecher Uwe Keller. »Wir können den Leuten nur raten, ihre Konten im Augen zu behalten«. Das empfiehlt auch die Verbraucherzentrale. »Unberechtigte Abbuchungen von Konten sind leider unser tägliches Brot«, berichtet Anneke Voß von der Verbraucherzentrale Hamburg. Zwar gingen viele Menschen zu leichtfertig mit ihren Daten um, gerade Vereine seien jedoch auf Spenden angewiesen und müssten deshalb oft auch ihre Bankverbindung offenlegen. Ein Dilemma. »Verhindern kann man solche Abbuchungen nicht, deshalb sollte jeder sein Konto im Auge behalten«, rät Anneke Voß. Ist das Geld erst einmal abgebucht, hätten Verbraucher noch sechs Wochen nach Rechnungsabschluss das Recht, das Geld zurückzubuchen, so die Expertin. Etwas mehr Sicherheit verspreche das bereits eingeführte europäische Lastschriftverfahren SEPA (Single Euro Payments Area), das langfristig das deutsche Verfahren ablösen soll. Denn bei SEPA gibt es einen doppelten Kontrollmechanismus: So müssen die Banken ihre Kunden bereits fünf Tage vor Fälligkeit der ersten Lastschrift informieren. Widerspricht der Kunde, weil zum Beispiel keine Einzugsermächtigung vorliegt, erfolgt erst gar kein Geldfluss. Bis dahin heißt es weiter: Regelmäßig Kontoauszüge überprüfen!

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Jackman , 18-07-12 21:38
Moin, ich verstehe nicht, warum Vereine überhaupt ein LSV genehmigen u das Konto für LSV's nicht sperren lassen? Wer auf Spenden angewiesen ist, ermächtigt ja kein LSV, sondern publiziert seine Bankverbindung, um Spenden zu erhalten. Sperrt man LSV, kann auch kein Unbefugter auf das Konto wie oben beschrieben zugreifen.
Schon interessant, das Fonic über Sicherheitsmassnahmen wie bei T-Mobile, etc., ausweicht. Ein sehr schwaches Argument.
fuffy , 20-07-12 21:12
@Jackman
FONIC wird an Supermarktkassen verkauft. Du glaubst doch nicht, dass ne Kassiererin bei real noch die Zeit hat, ein PostIdent-Verfahren durchzuführen, während schon 20 weitere Kunden in der Schlange warten. Da wirft real die lieber gleich aus dem Sortiment. Mal ganz davon abgesehen, dass die damit eh überfordert wäre.
Die Telekom XtraCard dagegen wird nur im Fachhandel (T-Punkt, mobilcom-Shop) vertrieben. Die haben einerseits mehr Zeit pro Kunde und sind andererseits durch das Laufzeitvertragsgeschäft eh in Sachen Identitätsfeststellung geschult. Die können sich das erlauben.
Andree , 21-07-12 12:58
Vor allem ist diese Methode nicht neu sondern wurde schon in den Medien publiziert. Das seit dem immer noch nichts passiert ist finde ich schon den Oberhammer...
Kathi , 06-10-12 21:05
Hallo!! Bei uns wurde auch unter irgendeiner Handynummer 40 Euro von Fonic abgebucht. Bin ratlos, wer und wie meine Daten benutz hat! Werde Rückbuchen lassen und Anzeige erstatten!! Ich hoffe nur, derjenige benützt mein Konto nicht noch einmal!!
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