Nachrichten aus der Region

Zu einem Gespräch über die Branche trafen sich Arbeitsvermittler, Ausbilder und die Vertreter der beiden größten Arbeitgeber für Dialogmarketing. Foto: if
Mehr als 1.000 Mitarbeiter und Dialogmarketing sucht weiter
Flensburg (if) – »Ein Berufsbild, das deutlich unterschätzt wird«, verteidigt Martin Aye von der carebyphone GmbH das angekratzte Image der Branche »Dialogmarketing«. Bei der Arbeitsagentur in Flensburg trafen Arbeitgeber, Ausbilder und Arbeitsvermittler zusammen, um über die Entwicklung in einer Branche zu informieren, die in Flensburg mehr als 1.000 Menschen beschäftigt. Und das mit deutlich steigender Tendenz. Die beiden Großen auf dem Markt, carebyphone und Perry und Knorr werden auch in diesem Jahr wieder in ihren Call-Centern den Personalbestand aufstocken, weil immer mehr große Aufträge nach Flensburg gehen. Es ist eben längst nicht mehr das Verkaufen von Lotterielosen oder Zeitschriftenabonnements, das Fachleute »Kaltakquise« nennen, mit der die Branche sich selbst den Ruf ruinierte. Seit der Gesetzgeber klare Bedingungen geschaffen hat, übernehmen die Flensburger Telefonisten, die längst auch Sachbearbeiter oder Bürofachkräfte sind, von ihrem Arbeitsplatz in Flensburg aus in ganz Deutschland und sogar in Österreich Beratungsgespräche für ihre Auftraggeber. Oft sind das die großen, marktführenden Wirtschaftsunternehmen. »Ohne Call-Center liefe in Deutschland überhaupt nichts mehr«, macht Martin Aye deutlich und schaut für die gesamte Branche äußerst optimistisch in die Zukunft. Gerade verhandelt er mit neuen Auftraggebern. Wahrscheinlich wird er auch diesen Auftrag an Land ziehen und dann rund 200 weitere Arbeitsplätze in seiner Flensburger Firma offerieren. Er hält das realisierbar: in dieser Region seien entsprechend qualifizierte Arbeitskräfte vorhanden. Mitarbeiter werden permanent gebraucht. »Gesucht wird die eierlegende Wollmilchsau«, formuliert es Aye gequält lächelnd. Und das in einer Branche, die nicht eben für Spitzenlöhne bekannt ist. Allerdings rechnen die Flensburger Firmen damit, dass der Mindestlohn schon bald deutschlandweit vereinbart und damit für ein steigendes gleiches Lohniveau sorgen wird. 9,50 Euro sind im Gespräch. Die einheitliche Regelung ist notwendig, weil zum Beispiel von Wettbewerbern in ostdeutschen Bundesländern Löhne von unter 6 Euro die Stunde gezahlt werden. Die Ansprüche an die Mitarbeiter in den Call-Centern sind hoch, erforderten ein ständiges am-Ball-bleiben, erklärt Michael Thewes von Perry und Knorr: »Nur noch zehn Prozent unserer Mitarbeiter arbeiten im Direktverkauf, 90 Prozent sind im Kundenservice beschäftigt.« Die neue Generation der Call-Center-Agenten muss den Umgang mit bis zu 10 verschiedenen Softwares und den auch damit verbundenen täglich wechselnden Anforderungen gewachsen sein. Deshalb wird bei Perry und Knorr mit seinen vier Standorten in Deutschland permanent weitergebildet und nun auch ausgebildet. An der Handelslehranstalt in Flensburg gibt es bereits eine Berufsschulklasse für Kaufleute im Dialogmarketing. Sowohl eine zweijährige Ausbildung als auch eine dreijährige Ausbildung ist möglich. Thewes weist darauf hin, dass diese Fachleute in den verschiedenen Branchen gesucht werden. »Viele unserer besten Leute werden von anderen Branchen abgeworben«, berichtet er. Unternehmen in den unterschiedlichen Branchen sehen finanzielle Vorteile im Direktmarkteting. Zum Beispiel die Pharmaindustrie setzt ihre Pharmareferenten immer lieber ans Telefon als sie von Apothekentür zu Apothekentür und durch die Arztpraxen zu schicken. Annegret Herzfeld von der Arbeitagentur hat sich – wie auch viele ihrer Kollegen nach anfänglichen Vorbehalten davon überzeugt, dass es interessante Stellenangebote sind, die vom Dialogmarketing gemacht werden. Michael Thewes lädt die Interessenten ein, einfach mal vorbeizukommen – nach einen kurzfristig terminvereinbarendem Telefonat ist das fast täglich möglich – um sich selbst ein Bild von den Arbeitsbedingungen zu machen.
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