Handwerkerfrühschoppen im Borgerforeningen

Herausforderungen gemeinsam meistern

Geschäftsführer Martin Hanisch und Kreishandwerksmeister Günther Görrissen (v. li.) begrüßen die Bundestagsabgeordnete Petra Nicolaisen zum Handwerkerfrühschoppen 2019. Fotos: Jonas

Überzeugte mit einer anregenden Neujahrsansprache: Kreishandwerksmeister Günther Görrissen.

Flensburg (sj) – Der Festsaal des Restaurants „Borgerforeningen“ diente Ende Januar erneut als Kulisse für den traditionellen Handwerkerfrühschoppen.  Geladene Gäste aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft folgten der Einladung der Kreishandwerkerschaft Flensburg Stadt und Land zur insgesamt 32. Veranstaltung.  Mit Spannung wurde die Festrede von Kreishandwerksmeister Günther Görrissen zum Thema „Handwerk und Politik – Politik und Handwerk“ erwartet.

Das Jahr 2019 wartet mit neuen Herausforderungen und Aufgaben auf das Handwerk. Die Fachbetriebe sprechen von einer guten konjunkturellen Lage. Doch nicht nur die Wirtschaftskraft ist entscheidend, sondern auch die gesamtgesellschaftliche Bedeutung des Wirtschaftszweiges: „Über 30 Prozent aller Lehrlinge in Schleswig-Holstein werden im Handwerk ausgebildet. Damit sorgen wir überproportional dafür, dass durch ein funktionierendes duales Ausbildungssystem die Jugendarbeitslosenquote so gering ist wie fast nirgendwo sonst in Europa“, betonte der Kreishandwerksmeister.
Wenn junge Menschen durch ihre Arbeit eine gute Zukunft haben, dann ist das auch ein Garant dafür, dass die gesamte Gesellschaft davon profitiert: „Das Handwerk ist sich seiner sozialen Verantwortung bewusst. Gemeinsam mit der Politik müssen wir die Herausforderungen meistern“. Doch Voraussetzung dafür ist, dass Fachkräfte zu bekommen sind. Zahlreiche Stellen sind nicht besetzt und auch viele Ausbildungsplätze sind noch frei. „Das Handwerk muss sich immer wieder präsentieren und den jungen Menschen klar machen, was sich für ein großes Potenzial gerade jetzt bietet“, so Günther Görrissen. Um junge Menschen an das Handwerk zu binden, muss aber noch mehr getan werden, betonte Görrissen weiter: „Dabei brauchen wir auch die Hilfe der Politik. Zum Beispiel erst eine Ausbildung im Handwerk und dann studieren“. 

Auf das Schwerpunktthema seiner Rede „Handwerk und Politik – Politik und Handwerk“ ging Kreishandwerksmeister Günther Görrissen im Anschluss gezielt ein. Bundes-, landes- und kommunalpolitische Entscheidungen haben direkten Einfluss auf das Handwerk vor Ort. So ist zum Beispiel das Kfz- Gewerbe von den Debatten zu den Themen Fahrverbote und Messmethoden stark betroffen. „Es gibt Nachrüstsätze, die den Diesel sauberer machen. Doch diese kosten richtig viel Geld. Dieser Mehraufwand darf nicht am Handel und unseren Kunden hängen bleiben. Die Politik ist aufgefordert, den Herstellern klare Vorgaben zu machen“, mahnte Görrissen. Beim Thema Messmetoden forderte Görrissen gleichgewichtete Vorgaben, die EU weit gelten. „Dass Verbrennungsmotoren Abgase erzeugen und unsere Gesundheit gefährden ist fakt. Diese Gefährdung zu minimieren ist eine große Aufgabe. Aber bitte nicht nur bei den Autofahrern ansetzen. Schiffe, Braunkohlekraftwerke, Flugzeuge und Industrieanlagen gehören ebenfalls dazu“. Die E-Mobilität ist eine Alternative, so Görrissen weiter, aber ob die Energie- und Ökobilanz auch aufgeht, ist aktuell schwer zu beurteilen. Der Kreishandwerksmeister richtete dabei sein Augenmerk auf die Herstellung und Entsorgung der benötigten Batterien sowie die Rohstoffgewinnung: „Wir müssen die ökologischen und politischen Begleitumstände stets berücksichtigen“.  Mit langen Bearbeitungszeiten bei Baugenehmigungen hat seit Jahren das Bauhandwerk zu kämpfen. Der Kreishandwerksmeister informierte über konstruktive Gespräche mit Vertretern der Stadt. „Den Erwartungen müssen nun Taten folgen“, so Günther Görrissen.

Auch das Thema Ausschreibungen ist stets präsent. Hierbei setzt das Handwerk auf das neue Vergabegesetz, das es auch für kleine und mittlere Betriebe wieder interessant macht, an Ausschreibungen teilzunehmen.  Die Umsetzung eines neuen Verpackungsgesetzes bewertet Görrissen grundsätzlich als positives Signal. Doch im betrieblichen Alltag gibt es gravierende Unterschiede zu beachten, die oftmals zu Unklarheiten führen: „Neue Gesetze sind gut, man muss sie aber auch verstehen. Wir hören immer das Wort „Entbürokratisierung“. Dies muss auch mal mit Leben gefüllt werden. Ein Aufruf an die Politik“. Verständnis erntet das Handwerk derzeit für Anregungen zum Änderungsgesetz aus dem Jahre 2004, das zur Abschaffung der Meisterpflicht in einigen Berufen führte: „Es besteht die Chance dazu, dass in einigen Gewerken der Meister wieder zur Pflicht wird. Die Politik diskutiert gerade darüber und ich hoffe, dass dies auch durchgesetzt werden kann. Zum Wohle des Handwerks und der Qualität“, erklärte Günther Görrissen.

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