Aktuell, relevant und innovativ: Erfolg für Flensburg

11.10.2018

Zwei von vier Wissenschaftspreisen der gewerblich-technischen Wissenschaften gehen in diesem Herbst an die Europa-Universität Flensburg (EUF)

Dr. Torben Karges wurde für seine Dissertation "Wissensmanagement und Kommunikationsprozesse im Kfz-Service – Bedeutung und Perspektiven für die Facharbeit in Kfz-Werkstätten" ausgezeichnet

Benjamin Appold wurde für seine Masterarbeit in der Fachrichtung Metalltechnik „Zur Relevanz mathematischer Kompetenzen in der Ausbildung und in der Facharbeit von Industriemechanikerinnen und Industriemechanikern“ ausgezeichnet

Flensburg (mm) – Auf der diesjährigen Herbstkonferenz der Arbeitsgemeinschaft „Gewerblich-Technischen-Wissenschaften und ihrer Didaktiken (gtw)“ wurden zwei Flensburger Arbeiten prämiert.
Dr. Torben Karges wurde für seine Dissertation "Wissensmanagement und Kommunikationsprozesse im Kfz-Service – Bedeutung und Perspektiven für die Facharbeit in Kfz-Werkstätten" ausgezeichnet. In seiner Arbeit beschäftigt er sich vor dem Hintergrund der rasant fortschreitenden technologischen Entwicklungen in der Kraftfahrzeugtechnik mit der Frage, wie in Kfz-Werkstätten die Diagnose- und Reparaturarbeiten an den hochkomplexen Fahrzeugen von den Kfz- Fachkräften geleistet werden können bzw. welche Unterstützungssysteme hierfür geeignet sind.
Laudator Martin Frenz, Professor für Arbeitswissenschaft an der RWTH Aachen, lobte die breit an angelegte Studie als „hochgradig aktuell, relevant und innovativ im Bereich der Transformation von Facharbeit.“  Einzigartig sei die Studie auch aufgrund ihrer umfassenden Tiefe und Domänenkenntnis der Kfz-Facharbeit.
Ebenfalls ausgezeichnet wurde Benjamin Appold für seine Masterarbeit in der beruflichen Fachrichtung Metalltechnik „Zur Relevanz mathematischer Kompetenzen in der Ausbildung und in der Facharbeit von Industriemechanikerinnen und Industriemechanikern“. In ihr untersucht er die Frage, welche mathematischen Kompetenzen in der Ausbildung und in der Facharbeit im metalltechnischen Beruf des/der Industriemechaniker/-in erforderlich sind, um sowohl den Anforderungen der dualen Ausbildung in Betrieb und Berufsschule als auch den Anforderungen in der Facharbeit in industriellen Unternehmen der Metallbranche gerecht werden zu können. Insgesamt wird durch die Fallstudien deutlich, dass die tatsächlich in der Facharbeit benötigten und die in der Ausbildung angestrebten mathematischen Kompetenzen nicht sonderlich weit auseinanderliegen, sich aber zum Teil sehr deutlich unterhalb der Sek-I-Bildungsstandards befinden. Vor dem Hintergrund, dass viele Industriemechaniker/-innen, nach ihrer Ausbildung eine weiterführende Schule oder auch ein Ingenieursstudium aufnehmen, plädiert der Autor deshalb dafür, das mathematische Niveau im Berufsschulunterricht zu erhöhen.
„Diese Arbeit ist zutiefst interdisziplinär“, sagte Laudator Prof. Dr. Martin Frenz, „wobei die interdisziplinäre Fragestellung keinen Selbstzweck darstellt, sondern hochgradig relevant für die Tätigkeit einer Lehrkraft an berufsbilden Schulen ist. Ich kenne keine vergleichbare Arbeit, die mit dem mathematischen Kompetenzmodell typischen Fragen der Ausbildung von Industriemechanikern/-innen nachgeht.“
Insgesamt, so Frenzen, habe der Standort Flensburg damit erneut seine wissenschaftliche Exzellenz im Bereich der Berufsbildung unter Beweis gestellt.
„Ich freue mich sehr, dass gleich zwei der Preise an das Berufsbildende Institut für Arbeit und Technik (biat) an der EUF gehen. Vor dem Hintergrund der gravierenden Nachwuchsprobleme sowohl bei pädagogisch voll ausgebildeten Lehrkräften als auch bei Wissenschaftlern/-innen im gewerblich-technischen Bereich stellen diese Preise eine umso wichtigere Auszeichnung der Qualität von Lehre und Forschung an der EUF dar“, sagte Prof. Schlausch, Betreuer der beiden Arbeiten und Studiengangverantwortlicher „Master of Vocational Education“.
Die Arbeitsgemeinschaft gtw schreibt regelmäßig den Wissenschaftspreis Gewerblich-Technische Wissenschaften für wissenschaftliche Arbeiten aus, die wichtige Beiträge zur Entwicklung des Erkenntnisstandes in den gewerblich-technischen Wissenschaften und ihren Didaktiken leisten.
Auf der diesjährigen Herbstkonferenz am 04. und 05. Oktober 2018 an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg beschäftigte sich die Teilnehmenden mit drei zentralen Themen: Digitalisierung, Fachkräftesicherung und Lehrerbildung. Während die Digitalisierung und der damit getriebene Wandel in den Ausbildungs- und Arbeitswelten technologische und organisatorische Veränderungen nach sich ziehen, werden im Schwerpunkt Fachkräftesicherung auch gesellschaftliche Veränderungen aufgegriffen. Wandlungsprozesse in der Berufs- und Arbeitswelt werden im Kontext moderner Konzepte beruflicher Lehrkräftebildung betrachtet, deren Diskussion durch den strukturell verfestigten Lehrkräftemangel auch um quantitative Aspekten erweitert wird. Schließlich werden Übergänge in die berufliche Ausbildung und das Hochschulstudium sowie damit verbundene Anforderungen an Berufsorientierung, berufliche Bildung und Hochschulbildung in den Blick genommen.

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