Meerherz für Obdachlose

Musiker spielen für Menschen ohne ein Dach über dem Kopf

Foto: Philippsen

Der Musiker Boss Hill engagiert sich für Obdachlose. Foto: Philippsen

Bjarne Sachtler

Ben Dobbertin

Flensburg (lip) – An Weihnachten gibt es vieles im Überfluss. Gleichzeitig haben manche Menschen nicht einmal ein Dach über dem Kopf. Vor allem im Winter kann das sogar lebensgefährlich sein. So gehören Obdachlose  auch in Flensburg zum alltäglichen Straßenbild.  Ihnen möchte der Flensburger Musiker Bosse Hill helfen. Gemeinsam mit zahl-reichen Künstlerkollegen veranstaltet er einen Tag vor Heiligabend, am 23. Dezember, das  „Meerherz-Spendenfestival“. Von 11 bis 20 Uhr wird auf der Bühne in der Großen Straße Musik gemacht und gejammt – die gesammelten Spenden kommen dem „Tagestreff“ des Diakonischen Werkes zu Gute, täglich Anlaufstelle für bis zu 70 Menschen.    
Die Idee für das Meerherz-Spendenfestival hatte Bosse Hill schon seit geraumer Zeit im Kopf herumgespukt. Aber erst als der Flensburger Singer/Songwriter und seine Freundin abends   auf dem Nachhauseweg von einem Restaurantbesuch  auf einen Obdachlosen trafen, kam die Initialzündung: Was machen Obdachlose eigentlich im Winter? Und da müsste man doch etwas was machen. Mit diesen Gedanken wachte Bosse Hill morgens auf und musste dabei auch an den Musi-ker Frank Zander  denken, der jedes Jahr ein großes Weihnachtsessen für Obdachlose und Bedürftige in Berlin veranstal-tet. „Es war schon immer mein Herzenswunsch etwas für die Menschen am Rande der Gesellschaft zu tun. Denn wir sind eigentlich ein so reiches Land, aber trotzdem werden die Schlangen vor der Tafel immer länger“, sagt Hill, der in seinem Leben selbst auch schon Schattenseiten erlebt hat, die er ins einen Songs verarbeitet („Straße meines Lebens“).
Seinem spontanen Aufruf bei facebook sind inzwischen zahlreiche Musikerkollegen gefolgt, die sich alle am 23. Dezem-ber, in den Dienst der guten Sache stellen. Kostenlose Unterstützung kommt auch vom Jam Studio, dass das Bühnene-quipment zur Verfügung stellt, den Stadtwerken und dem Historischen Hafen, die für den Strom sorgen und von der Tou-rismus Agentur Flensburger Förde (TAFF).
Von 11  bis 20 Uhr werden auf der Bühne in der Großen Straße (Höhe McDonald‘s) neben Bosse Hill unter anderem Tom Klose, Simon Glöde, Ben Dobbertin, Søren Fraas aus Kiel, The Club Crawlers, Malte Zagarus, Frank Brunner, Friedrich Jr. und der erst 13-jährige Bjarne Sachtler aus Lübeck („The Voice Kids“) auf der Bühne stehen. Von Rock und Pop über Folk bis hin zu klassischer Straßenmusik und weihnachtlichen Klängen ist alles dabei. „Und sicher wird es auch die eine oder andere gemeinsame Jam Session geben“, sagt Bosse, der das Programm auch moderieren wird. Eintritt wird nicht erho-ben, stattdessen setzen die Musiker auf die Spendenbereitschaft  der Besucher. Entsprechende Spendendosen werden bereitstehen, außerdem wurde ein Spendenkonto eingerichtet. „Wenn jeder Flensburger nur einen Euro gibt, hätten wir am Ende eine schöne Summe zusammen“, hofft Bosse Hill auf einen schönen und erfolgreichen Tag. Das gespendete Geld geht an das Diakonische Werk und kommt dem „Tagestreff“ für Obdachlose und der „Treppe“ zu Gute.
Bei der Stadt trifft die Initiative des Musikers auf offene Ohren. „Obdachlosigkeit ist in Flensburg durchaus ein Problem“, wissen Sozialdezernentin Maria-Theresia Schlütter und Gert Koll von der Fachstelle für Wohnhilfen und Schuldnerbera-tung. Zwar gibt es keine verlässlichen Zahlen darüber, wie viele Menschen  in der Fördestadt tatsächlich auf der Straße leben, aber alleine die Tatsache, dass bis zu 70 Personen täglich den „Tagestreff“ im Johanniskirchof nutzen, zeigt, wie hoch der Bedarf ist.
Die Probleme sind vielschichtig. „Es gibt freiwillige und erzwungene Obdachlosigkeit“, erläutert Gert Koll. Und jede Men-ge so genannte „Bei- und Wanderwohner“, die bei Bekannten übernachten können, aber tagsüber die Wohnung verlassen müssen.  
Im Prinzip müsse niemand auf der Straße übernachten. „Wir können jedem ein Dach über dem Kopf bieten“, betont Koll und verweist auf die 31 Schlafplätze in der Obdachlosenunterkunft im Wilhelminental. Hunde haben dort allerdings nach wie vor keinen Zutritt, so dass sich ihre Besitzer über Nacht von dem Tier trennen und es ins Tierheim geben müssen. Für viele ist das ein Problem. „Aber wir arbeiten an einer Lösung“, sagt Schlütter.
Ein weiteres Problem ist, dass viele Obdachlose, obwohl sie Anspruch auf soziale Leistungen haben, mit Behörden nichts zu tun haben wollen. An diese Menschen versucht die Stadt mit „niedrigschwelligen Angeboten“ heranzukommen, indem etwa zwei Sozialarbeiterinnen unterwegs sind und es in der Norderstraße eine feste Anlaufstelle der Straßensozialarbeit gibt.
Wenn möglich, versuchen die Mitarbeiter der Fachstelle drohende Obdachlosigkeit im Vorfeld noch abzuwenden. Im Falle eine Räumungsklage wegen Mietschulden wird die Stadt automatisch informiert. Erfolgt diese jedoch aus Verhaltens-gründen, ist dies vom Gesetzgeber (noch) nicht vorgeschrieben.
Und ist jemand seine Wohnung erst einmal los – ist es schwierig ein neue für ihn zu finden. Denn gerade im unteren Segmentbereich herrscht auch in Flensburg Wohnraummangel.
Weitere Infos zum Benefizkonzert auf facebook unter „MeerHerz Spendenfestival“
Spendenkonto:
Treppe Flensburg e.V.
IBAN DE61 5206 0410 0806 4036 54
BIC GENODEF1EK1
Verwendungszweck: Meerherz

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